


Mit dem Siegel der Stadt Straßburg aus der Zeit der Staufer
Straßburg –Wernher Sturm, Meister und Rat der Stadt Straßburg bestätigen den Verkauf eines Hauses an der Schiltigheimgasse an die geistlichen Frauen, Äbtissin und Konvent der Klarissen, gelegen am Roßmarkt in Straßburg, und deren Nachkommen, um fünfzig Pfund Straßburger Pfennige.
Straßburg, an sant Jacobes abent des zwelfboten (=Samstag, 24. Juli), 1367.
Deutsche Handschrift auf Pergament. 43 x 27,5cm, plus 5cm Plica (diese zweifach auf 2,5cm eingefaltet). Mit dem Siegel der Stadt Straßburg an braunroter Kordel. Durchmesser des Siegels: 9,5cm.
Kurzregest in einer französischen Handschrift des 19. Jahrhunderts auf der Plica. Rückseitig zeitgenössisches Kurzregest sowie Ablösungsvermerk von 1530.
Von leichten Läsuren und einem kleinen Loch an den Faltspuren abgesehen, gut erhaltenes Dokument. Das Siegel ebenfalls mit Läsuren und Fehlstellen in der Umschrift, substanziell jedoch gut erhalten.
Die Urkunde ist durch die Nennung zahlreicher Vertreter der einzelnen Zünfte von besonderem Interesse, deren Namen nebst ihrer Zunftzugehörigkeit auf nicht weniger als elf Zeilen im unteren Teil der Urkunde (nach der Datierung auf Zeile 19/20) aufgeführt sind. Zum Beispiel (Kürzungen aufgelöst): von den küffern Joh Belheim…von den webern albrecht senftleben…von den badern und scherern Henselin Lupfenstein…von den smiden Peter Rus…Diese für Städte mit Zunftregiment übliche Auflistung gewährt uns heute einen wertvollen kulturgeschichtlichen Einblick in die Organisation des mittelalterlichen Handwerks- und Zunftwesens.
Das Siegel ist ein hervorragendes Beispiel spätromanischer Stempelschneidekunst. Es erscheint zuerst an einer Urkunde der Stadt Straßburg aus dem Jahr 1201. Die Umschrift lautet vollständig: „(+) SIGILLUM: BURGENSIUM A(RGEN)TINENSIS CIVITATIS“ und ist hier vorliegend nur unvollständig erhalten. Das Siegel zeigt eine thronende Madonna mit Kind unter einem von runden Halbsäulen getragenen Dreipassbogen vor einer stilisierten Basilika mit Flankentürmen. Die Inschrift auf dem Dreipassbogen lautet (nach Wittmer): „VIRGO ROGA PROLEM QV(od?) PLEBEM SERVET ET URBEM“. Stilistisch zeigt die Darstellung der Madonna eventuell nach Chartres, zu den Großskulpturen des mittleren Portals des Nordquerhauses, die jedoch erst ab 1204 entstanden sind.
Provenienz: Jaques Rosenthal (Horst Koch), ab 1971 Sammlung Prof. Gerhardt Eis, Heidelberg, Hs. 188.
Literatur (Siegel): Die Zeit der Staufer. Ausstellungskatalog. Vier Bände. Stuttgart 1977. Band I, S. 90, Nr. 135 (Beschreibung) und Band II, Abbildung 64.
Wittmer, Charles: Inventaire des Sceaux des Archives de la Ville de Strasbourg de 1050 a 1300. Straßburg 1946. Nr. 11, S. 25.
Euro 3.900.- inklusive 19% Mehrwertsteuer.